Neuwahlen also.
Interessanter Artikel in der FAZ, der eine Wurzel der griechischen Misere mal woanders sucht als im Berliner Kanzleramt:
Hunderte Scheinblinde haben auf der westgriechischen Insel Zakynthos mit falschen Angaben staatliche Renten kassiert. Ein Bürgermeister, der ihr Treiben entlarvte, wurde dafür mit Eiern und Joghurt beworfen. [...] Zakynthos, dessen echte Blinde sich jetzt schämen, aufs Festland zu reisen und dort verspottet zu werden, belegt die komplette Dekadenz eines alimentierten Gemeinwesens ohne Würde, ohne Lebenskraft, ohne andere Hoffnung als die endlose Fortsetzung der Fütterung. Für Historiker einer kollabierenden Zivilisation und Soziologen des Wohlfahrtsstaates bietet Zykanthos, bietet ganz Griechenland einen idealen Anschauungsunterricht: Noch schlimmer als Armut ist die träge und blinde Abhängigkeit vom Wohlstand anderer.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/griechenland-blindes-hellas-11749877.html
Das Handelsblatt:
Tag für Tag gehen rund 900 Jobs verloren. 22 Prozent der Griechen sind arbeitslos, unter den Jugendlichen sogar mehr als jeder Zweite. Das Arbeitslosengeld von 360 Euro wird höchstens ein Jahr lang gezahlt. Weil es in Griechenland keine Sozialhilfe oder eine Grundsicherung wie Hartz IV gibt, ist es ein kleiner Schritt von der Arbeitslosigkeit in die Armut. Fast 700.000 Menschen haben kein eigenes Einkommen mehr. Eltern liefern ihre Kinder in Waisenhäusern ab, weil sie nicht mehr für deren Unterhalt aufkommen können. Die Schlangen vor den Suppenküchen werden immer länger. Eine Viertelmillion Bedürftige verköstigt allein die orthodoxe Kirche Tag für Tag in ihren Armenspeisungen. Eine Politik, die solche Folgen hat, ist eine gescheiterte Politik. [...] Es mehren sich die Anzeichen, die Weimarer Verhältnisse in Griechenland befürchten lassen: Schlägertrupps der Neonazis, die nachts Jagd auf dunkelhäutige Migranten machen; Bürgerwehren, die das Recht in die Hand nehmen; brutale Straßenkämpfe zwischen Chaoten und Kommunisten. Das sind die hässlichen Auswüchse der Krise. Sie zermürbt die Menschen, raubt ihnen die Hoffnung. Die Hungerkur ruiniert das Land, die immer schärferen Sparauflagen zehren an seinen Kräften – ökonomisch, politisch und gesellschaftlich. Es ist deshalb Zeit für eine Kurskorrektur. Klar: Griechenland braucht Haushaltsdisziplin und Strukturreformen. Es braucht aber auch Wachstumsimpulse – zum Beispiel durch die vorgezogene Freigabe von EU-Fördermitteln, die dem Land ohnehin zustehen.
Konsequenzen aus einer Rückkehr zur Drachme, die ja auch diskutiert wird:
Was würde das für die Griechen selbst bedeuten? Wahrscheinlich die Rückkehr zu einer zumindest für eine Übergangszeit recht stark inflationierende Währung. Die Ersparnisse wären auf einmal viel weniger wert. Die reichen Griechen haben ihr Vermögen allerdings, wie zu hören ist, zum Teil schon längst in Immobilien im Ausland angelegt. Daher ist leider zu befürchten, das unter dem Banner einer “linken” oder “nationalistischen” Politik letztlich die kleinen Leute zur Kasse gebeten werden für eine Politik ihrer Eliten, die ihr eigenes Geld ganz ”unnational” längst in Sicherheit gebracht hat.
http://blog.handelsblatt.com/globalmarkets/2012/05/07/was-passiert-wenn-die-drac hme-zuruckkehrt/
Massenhafte Abhbungen von griechischen Konten, Kapitaltransfer ins Ausland: Wie funktioniert das eigentlich?
Merkel möchte, dass die Griechen zeitgleich mit der Wahl auch über ihren Verbleib im Euro abstimmen, EU-Parlamentspräsident Schulz (alias "Der Capo") wendet sich direkt an das griechische Volk:
Trust is founded in the reliability of both partners. If the next Greek government does not keep the promises that have already been made and adhere to the agreements that have already been reached, many people in neighbouring countries will have the impression that Greece does not keep its word.
If you give up now, the next instalment of the bailout will not be paid. What that means is that the Greek State will have no more money in future to pay salaries, to pay pensions, to pay unemployment benefit, to keep the schools and hospitals going.
People who say that all you have to do is not pay anything back are failing to mention that Greece would then receive no more credit, either from banks or from countries. Those who say we don't accept the memorandum, but we will stay in the euro zone, nourish a fake hope.
The people who say that Greece need not abide by the agreements are failing to say that that can lead to only one thing, Greece's departure from the eurozone.
http://www.guardian.co.uk/business/2012/may/18/eurozone-crisis-stock-markets-gre ece-spain
Wer trägt die Schuld an der griechischen Misere? Die griechischen Parteien, die Geldgeber, die EU und der IWF, alle haben versagt.
http://www.guardian.co.uk/business/economics-blog/2012/may/18/who-blame-greece-c risis
Wer trägt die Schuld an der griechischen Misere? Die griechischen Parteien, die Geldgeber, die EU und der IWF, alle haben versagt.
-da stehen schon mal vier zur wahl
einige im forum können nicht bis drei zählen
wieder andere haben nicht mal zwei finger - diese mono-kausalisten ohne zweites auge
>> und es kommt noch jemand dazu: unsolidarische egozentische geldgierige reiche griechen (seit einer dekade liess man die ihre schäfchen ins trockene bringen)
ein langer aber sehr lesenswerter artikel
http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/highway_to_hellas_1.5103131.html
Griechenland: SYRIZA-Koalition beschließt gemeinsame Wahlliste, um als Partei a ntreten zu können [radio-utopie.de]
und so auch das 50 sitze-'geschenk' zu bekommen, falls sie erste werden.
könnte für die nächsten koa-verhandlungen nicht uninteressant werden.
Tsipras weiß, was die meisten Griechen jetzt hören wollen. Die Krise zermürbt die Menschen. Sie sind verzweifelt – und empfänglich für Verführungen. Acht von zehn Wählern sind gegen das Sparprogramm, fast ebenso viele wollen aber am Euro festhalten. Das scheint nicht zusammenzupassen. Aber Tsipras sagt: Es geht. Er will den Schuldendienst einstellen und die Kreditverträge mit der EU sowie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) aufkündigen. Dass die Euro-Partner darauf mit der Einstellung der Hilfszahlungen reagieren, was dazu führen würde, dass Griechenland Drachmen drucken muss, um Staatsbedienstete und Rentner zu bezahlen, glaubt er nicht. Dann gerate die ganze Währungsunion ins Wanken, erklärt er seinen Landsleuten. Schon deshalb könnten die Geldgeber Griechenland gar nicht fallen lassen. Und wenn sie es doch tun, dann werde Griechenland die ganze EU mit in die Tiefe reißen, warnt Tsipras die Europäer. Er suggeriert seinen Landsleuten, das kleine Griechenland sitze am längeren Hebel – weil es so viel Schulden hat. Tsipras pokert hoch.
Der Populist bedient alle. Er verspricht Renten von 80 Prozent des letzten Gehalts, höhere Löhne und ein Arbeitslosengeld von 75 Prozent des Tariflohns, fünf Jahre lang. Die bereits gezahlte Sonderabgabe auf Immobilien will er nicht nur abschaffen, sondern das Geld sogar zurückerstatten. Die Linken begeistert Tsipras mit revolutionären Sprüchen, die Wähler der Mitte umgarnt er mit einem Bekenntnis zum Euro: „Wir werden alles dafür tun, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibt.“ Doch das ist in seiner Partei nicht mehrheitsfähig. Sieben der zwölf Gruppen, die das Bündnis bilden, wollen den Euro nicht. „Wir wollen den Austritt aus der Euro-Zone und den Bruch mit der EU“, sagt Panagiotis Lafazanis aus dem Syriza-Führungszirkel. „Die Währung ist für uns kein Tabu“, erklärt auch Syriza-Finanzexperte Giannis Milios.
Syriza besteht aus überwiegend kommunistischen politischen Sekten wie der trotzkistischen Internationalen Werktätigen Linken oder der maoistischen Kommunistischen Organisation Griechenlands. Die Mehrzahl dieser Gruppen hat nichts mit der EU am Hut. Auch die ordnungs- und wirtschaftspolitischen Pläne Tsipras’ klingen bizarr: Er will den aufgeblähten Staatsdienst um weitere 100 000 Beschäftigte vergrößern, Privatisierungen rückgängig machen, die Banken und andere strategisch wichtige Unternehmen verstaatlichen. Die Arbeitsmarktreformen will er zurückdrehen, Kleinsparer für die Verluste beim Schuldenschnitt entschädigen und die Gelder aus der EU-Regionalförderung nicht mehr für Infrastrukturprojekte einsetzen, sondern für Sozialleistungen.
Wenn Tsipras gefragt wird, wie solche Ideen ins heutige Europa passen, antwortet er freundlich, Europa müsse sich eben ändern.
Was für ein Blindgänger! Da will einer auch mal an die Fleischtöpfe und wie seit ehedem seine Anhänger mit dem Staatsdienst belohnen. Mit Erpressung ein ganzes Land in die soziale Hängematte führen ... 
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