Meine Prognose für den kommenden Sonntag im Kanton Zürich:
Zusammenfassung:
Die Prognosen im Einzelnen:
Mitte-Links:
Der grosse Gewinner ist die glp. Sie kann ihr Ergebnis von 2007 gut und gerne verdoppeln. Grüne und SP können ebenfalls leichte Gewinne verbuchen.
Beide grünen Parteien liegen über 10 %, dabei Kopf-an-Kopf, die SP möglicherweise über 20 %.
Bürgerliche Mitte:
Die FDP verliert, allerdings nur mässig. Ich rechne mit Verlusten von 2 - 3 Prozentpunkten. Die CVP verliert leicht und sinkt auf 6 %, vermutlich leicht darunter.
Die BDP fährt bei ihrer Erstkandidatur im Kanton Zürich ein eher enttäuschendes Ergebnis ein: etwa 2 - 3 %.
Rechte:
Die SVP wird ebenso wie die FDP für ihre Pro-Atom-Haltung abgestraft. Sie verliert ca. 3 - 4 %, bleibt aber mit Abstand stärkste Kraft.
Kleine Parteien:
Die kleinen Parteien gehören ebenfalls zu den großen Verlierern dieser Wahl. Die EVP, EDU und SD könnten jeweils etwa ein Drittel ihrer Stimmen verlieren. Ihr Anteil schrumpft von etwa 9 % auf 5 - 6%. Einzige Ausnahme: die Alternative Liste kann möglicherweise leicht zulegen. EVP und AL wieder im Kantonsrat. Der EDU-Einzug ist fragwürdig, darüber entscheiden wird vermutlich ihr Abschneiden im Wahlkreis Hinwil. Die SD schafft den Wiedereinzug in den Kantonsrat nicht, denn sie dürfte in keinem Wahlkreis die 5 % überschreiten.
Die Neulinge
Wegen ihres enttäuschenden prozentualen Ergebnisses steht auch der Einzug der BDP in den Kantonsrat auf der Kippe. Die Piraten hingegen könnten ein Achtungsergebnis erringen und erstmalig in den Kantonsrat einziehen. Dieser Einzug ist allerdings alles andere als sicher.
Gewinner/Verlierer:
In Prozenten:
Mitte-Links-Parteien: +6 bis +8 %
Bürgerliche Mitte: -3 bis -4 %
Rechte: -3 bis -4 %
kleine Parteien: -3 bis -4 %
Neulinge: +3 bis +4 %
Daraus ergeben sich folgende Gewinner/Verlierer:
Gewinner: glp - an allererster Stelle, Piraten (wenn der Einzug gelingt), u.U. SP
Verlierer: SVP - FDP - CVP - EDU - EVP - SD - allesamt Mitte-Rechts-Parteien
weitere Verlierer: BDP - wg. des mageren Ergebnisses - und die Grüne Partei - verliert die Führungsrolle innerhalb der grünen Parteien, insbesondere für den Fall, dass die glp vor den Grünen landet
Ausblick auf die Nationalratswahlen im Herbst 2011 (wird nach der Züricher Wahl konkretisiert):
Die Kantonalen Wahlen in Zürich sind die letzten wichtigen Wahlen vor der Nationalratswahl. In ihnen lässt sich ein erster Trend für den nationalen Urnengang ablesen.
Im Herbst ist derzeit zu rechnen mit:
Nun,
nicht alles, was ich prognostiziert habe, ist auch so eingetreten.
Besonders peinlich ist mir ein Schnitzer, den ich vergessen habe zu korrigieren:
In meiner ersten Version habe ich nicht beachtet, dass es im Kanton Zürich eine Art abgeschwächter 5-Prozent-Hürde gibt. D.h. eine Partei muss in mindestens einem der Wahlkreise 5 % erreichen, um in den Kantonsrat einziehen zu können. Daher kam es bei mir zu einer frappierenden Fehleinschätzung, die ich auch in meiner zweiten Version nicht korrigiert habe, bei EDU und BDP aber sehr wohl: Ich bin davon ausgegangen, dass die Piraten das Quorum schaffen könnten, das notwendig ist, um überhaupt einen Sitz zu ergattern. Bei dieser Wahl waren 1680 Stimmen notwendig, um einen Sitz zu bekommen, die Piraten konnten 1708 Stimmen gewinnen - diesbezüglich hatte ich Recht -, aber sie sind natürlich in allen Wahlkreisen unter 5 % geblieben.
Dumm gelaufen, aber trotzdem ziemlich peinlich.
Erstaunt hat mich das starke Abschneiden der SVP mit nur minimalen Verlusten und der tiefe Fall der CVP.
Auch die Situation bei der SP ist besorgniserregend. Sie stagniert auf niedrigem Niveau und hätte beinahe ihren zweiten Sitz im Regierungsrat verloren.
Die BDP ist mit einem blauen Auge davon gekommen, ebenso die EDU. Die SD darf sich nun selbst abschreiben. Und die Grünen müssen sich warm anziehen! Bei der Nationalratswahl 2011 könnte ihnen die glp den Öko-Rang ablaufen.
Bzgl. der BDP teile ich die Euphorie der Schweizer Medien nicht. Der Tagesanzeiger schreibt: Für eine Überraschung sorgte die BDP: Zwar war der jungen Partei in den letzten Umfragen ein moderater Stimmengewinn vorausgesagt worden. Dass sie aber gleich auf Anhieb sechs Sitze gewinnen und Fraktionsstärke erreichen würden, hatte ihr niemand zugetraut. http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/SVP-FDP-und-CVP-verlieren-Sitze/story /17955003 Auch die Tagesschau bläst beinahe wortwörtlich ins selbe Horn: Die grösste Überraschung gelang der BDP. Zwar war der erstmals auf Kantonsebene angetretenen Partei in den letzten Umfragen ein moderater Stimmengewinn vorausgesagt worden. Dass sie aber gleich Fraktionsstärke erreicht, hatte ihr niemand zugetraut. http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2011/04/01/Schweiz/Kantonale-Wahl en/BDP-und-GLP-sind-Gewinner-der-Zuercher-Kantonsratswahlen
Das ist m.E. maßlos übertreiben. 3,64 % der Stimmen im großen Kanton Zürich sind für eine Bundesratspartei ein, gelinde gesagt, sehr bescheidenes Ergebnis. Gut, ich habe mit einem noch bescheideneren Abschneiden gerechnet, habe allerdings auch, bei aller Bescheidenheit, ein BDP-Ergebnis in Fraktionsstärke erwartet. - Zum Mitrechnen: Wie viel Prozente benötigt eine Partei in etwa, um 5 von 180 Mandaten zu erhalten? Zumal bei einem Zählsystem, das kleine Parteien quasi "bevorzugt". - Nun mag es ja angehen, dass nicht ein einziger Schweizer (Journalist) der BDP ein solches Ergebnis zugetraut hat (Was sagt uns dieser Umstand eigentlich über das oft gelobte schweizer Bildungssystem?!), dafür aber - belegbar - mindestens ein Deutscher und einige Dutzend Händler auf der Plattform Wahlfieber.
Bleibt ein Punkt offen. Der zweite Satz aus den Zitaten ist Hohl-Spiegel verdächtig und kann nur von einer Aussage getoppt werden: Zwar war der jungen, erstmals auf Kantonsebene angetretenen Partei in den letzten Umfragen ein moderater Stimmenverlust vorausgesagt worden. Dass sie aber gleich auf Anhieb so viele Stimmen verlieren würde, hatte ihr niemand zugetraut. Sic!
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