Peer gerade gegrillt bei Jauch. (ARD)
Ceterum censeo...
Gegrillt??? Er wurde als potenzieller Kanzler vorgestellt, so möchte ich gern auch täglich gegrillt werden.
Ganz unabhängig von der Frage, was man von Peer hält: Es ist schon faszinierend, dass hier jemand mit der alten Tradition zu brechen und offen einen Führungsanspruch zu formulieren scheint. Am Donnerstag ist das lustige Duo auf dem Titel der Zeit, diese Woche wird ihr Buch vorgestellt. Vielleicht gibts bei den Sozen ja dann auch bald Vorwahlen wie in Amerika oder Frankreich.
Helmut Schmidt - a livesendung too far.
Peer & Teer
Ein Exkanzler, der sich in die Tagespolitik einmischt, das hätte der Helmut Schmidt an den ich mich erinnere nie getan.
Ich verhülle mein Haupt!
In der Tat, wäre Willi Brandt oder Helmut Kohl nie eingefallen, von Ausländern wie Thatcher ganz abgesehen. Der Mann ist ZEIT-Herausgeber, der mischt sich schon seit Jahrzehnten immer wieder ein. Womit Du wahrscheinlich kein Problem hättest, wenn er sich denn für nen anderen in die Bresche werfen würde. 
Fast schon schockierend fand ich allerdings, wie Jauch den beiden die "Softball"-Fragen serviert hat: "Wo werden denn ihrer Meinung nach die Wahlen gewonnen?"
Aber wirklich faszinierend: Ein Politiker meldet öffentlich seinen Machtanspruch an. Selbst Gerhard Schröder hat das etwas mehr kaschiert. Aber letztendlich eine positive Entwicklung, wie ich finde, auch wenn mancher SPD-Funktionär nen Herzkasper gekriegt haben dürfte. Sollen potenzielle Gegenkandidaten halt auch aus der Deckung kommen, statt in Hinterzimmern zu kungeln. 
Ein Jauch-Verriss im Handelsblatt:

Der Spiegel urteilt freundlicher, auch wenn der Fernsehstunde mit den beiden Sozis ein vernachlässigbarer Erkenntnisgewinn attestiert wird, dafür aber ein gewisser Wohlfühlfaktor:
Drei Männer konkurrieren in der SPD um die kommende Kanzlerkandidatur. Der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel gibt sich mächtig links und wird dabei nach Kräften von seinem Wahlvater Günter Grass unterstützt. Der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück macht einen auf krisenkompetent und hat sich passenderweise von Helmut Schmidt adoptieren lassen. Allein der Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier sucht noch nach einem Papa - wahrscheinlich wirkt er deshalb etwas unglücklich. [...] "Ich könnte glatt noch ein Stündchen weitermachen", sagte Jauch am Ende, und damit sprach er den Zuschauern aus der Seele. Könnten Schmidt und Steinbrück nicht für alle Zeiten da sitzen bleiben und uns die Welt erklären: Männer, die Bescheid wissen, die Klartext reden, die zwar mahnen, aber auch ungemein beruhigen?
http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,793532,00.html
Die SZ grantelt ob der harm- und lustlosen Fragen des Moderators und widmet sich mangels anderweitiger Neuigkeiten dem Thema Rauchen:
Lustiger ist da Steinbrück, von dem Jauch wissen will, warum er die Gelegenheit nicht nutze, mitzupaffen: "Weil ich mir den Posteingang, den Helmut Schmidt morgen bekommt, ersparen wollte", sagt er und bleckt grinsend die Zähne. Von rechts rasselt erheitert blechern die Schmidt'sche Raucherlunge.
Überhaupt, fährt Steinbrück fort, sei er ja nur Gelegenheitsraucher. Bei Schmidt sei es jedoch so, dass die Ärzte ihn warnten, sein kompletter Stoffwechsel breche zusammen, würde er von heute auf morgen aufhören. Von rechts scheppert es, als würden zwei Ozeandampfer aneinender entlangschrammen. Schmidt scheint Steinbrücks Humor zu gefallen.
Der Tagesspiegel schaut auf die SPD-Reaktionen auf die mediale Offensive der beiden sozialdemokratischen Haudegen:
Ab durch die Mitte – das ist Steinbrücks Strategie. Je höher seine Popularitätswerte klettern, desto schwieriger wird es für den linken SPD- Flügel, ihm die Unterstützung zu verweigern. Die Partei-Linke nimmt Steinbrücks Schaulaufen jedenfalls ernst. So ernst, dass der Juso-Vorsitzende Sascha Vogt bei einem Besuch im palästinesischen Ramallah am Sonntag erbost zum Telefon greift. "Ich verstehe nicht, was dieser Ego-Trip zu diesem Zeitpunkt soll“, schimpft er. "Kanzlerkandidaten werden nicht von Altkanzlern ausgerufen, sondern von der Partei bestimmt.“
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-10/steinbrueck-spd-kanzlerkandidat
Die FR sieht Steinbrück mittlerweile gereift:
Mit Erstaunen beobachtet man, wie der Polterer Steinbrück zum Politiker mutiert. Er scheint es wirklich ernst zu meinen mit seiner Kanzlerkandidatur.
Die FAZ erregt sich vor allem über Schmidts Bemerkungen zur chinesischen Diktatur:
Unheimlich hingegen wurde der Beifall, als Günter Jauch den Altbundeskanzler sehr präzise auf eine Passage seines Buches ansprach, das er gerade zusammen mit Peer Steinbrück veröffentlicht hat. Darin teilt Helmut Schmidt mit, in anderen Weltregionen werde nicht Demokratie als das Dringlichste wahrgenommen. Gewiss, hieß das, in China gebe es keinen Rechtsstaat und keine Meinungsfreiheit, aber, so der hanseatische Preußenimperativ, jeder solle auf seine Facon selig werden. Großer Applaus.
Unheimlich war der, weil er inmitten der europäischen Krise das spezifische Gewicht der Demokratie angab. Hauptsache Lebensstandard, lautet die Devise.
jeder solle auf seine Facon selig werden. Großer Applaus.
Unheimlich war der, weil er inmitten der europäischen Krise das spezifische Gewicht der Demokratie angab. Hauptsache Lebensstandard, lautet die Devise.
Das scheint mir dann doch eine Überinterpretation. Genauso wie nicht jeder eine Demokratie braucht, um "selig zu werden", ist wiederum nicht jedem ein gehobener materieller Lebensstandard wichtiger als persönliche Freiheit.
Hier Präferenzen des Volkes aus einem (möglicherweise durch die Regie angeordneten) Applaus abzuleiten, geht mir zu weit.
Schon zu Guttis Zeiten fielen mir diese Residualsymptome eines autoritären Charakters /Persönlichkeit (Adorno) auf.
http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4rer_Charakter
http://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4re_Pers%C3%B6nlichkeit
Man sehe aber auch Kant:
Als unvorteilhafte Seiten hebt er (Kant) hervor: der Deutsche „fügt sich unter allen zivilisierten [wikipedia.org] Völkern am leichtesten und dauerhaftesten, der Regierung, unter der er ist“ und neigt in pedantischer [wikipedia.org] Weise dazu, „zwischen dem, der herrsche, bis zu dem, der gehorchen soll, eine Leiter anzulegen, woran jede Sprosse mit dem Grad des Ansehens bezeichnet wird, der ihr gebührt“ (Kant 1798/1983, A 311), d.h. vor allem hinsichtlich der Titel. – Diese bemerkenswerte Einschätzung nimmt deutlich einige der Aspekte der autoritären Persönlichkeit vorweg, wie sie erst viel später von Wilhelm Reich und Erich Fromm mit Blick auf den Faschismus bzw. Nationalsozialismus genauer beschrieben wurde.
Was rauchst Du eigentlich? Um was für Titel geht es? Autoritärer Charakter? Du schreibst in Rätseln, wenn jetzt noch Erdbeben ins Spiel kommen, würde ich darauf tippen, dass ein Südländer Deinen Account gekapert hat. 
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