Dass ich beim Referendum völlig daneben liege ist zu verschmerzen. Aber leider haben es die LibDems durch ihre dämliche und völlig devote Koalition mit den ehemaligen Erzfeinden in Rekordzeit geschafft sich zu zerlegen. Gerade zu einem Zeitpunkt, wo das britische Zwei-Parteiensystem und das halbdemokratische Wahlrecht hätten reformiert werden können. Wenn sie noch dazu die Kraft haben, müssten sie den Vorsitzenden jetzt zügig feuern, die Koalition aufkündigen und auf einen Neuanfang in 5 Jahren (nach Labourregierung) hoffen.
Aber leider haben es die LibDems durch ihre dämliche und völlig devote Koalition mit den ehemaligen Erzfeinden in Rekordzeit geschafft sich zu zerlegen. Gerade zu einem Zeitpunkt, wo das britische Zwei-Parteiensystem und das halbdemokratische Wahlrecht hätten reformiert werden können. Wenn sie noch dazu die Kraft haben, müssten sie den Vorsitzenden jetzt zügig feuern, die Koalition aufkündigen und auf einen Neuanfang in 5 Jahren (nach Labourregierung) hoffen.
Der Absturz der LibDems ist wirklich schade, sie waren immer meine Lieblingspartei unter den großen britischen Drei. Entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Vor einem Jahr war noch allenthalben die Rede davon, das eh schon langsam zerfasernde britische Zweiparteiensystem stehe jetzt endgültig vor dem Aus. Heute dagegen wirkt es trotz LibDems in der Regierung eher stärker, weil es die dritte Kraft so zerrissen hat.
Allerdings halte ich es nicht für ausgemacht, dass ein Ende der Koalition zu einer Labour-Regierung führen würde. Wahlen werden immer noch hauptsächlich in England entschieden, und da haben sich die Tories bei den Kommunalwahlen in sehr starker Verfassung gezeigt. Hier mal die landesweiten Mandate, in Klammern die Veränderungen:
Tories 4820 (+81)
Labour 2392 (+800)
LibDems 1056 (-695)
http://www.bbc.co.uk/news/special/election2011/council/html/england.stm
Ein Aufrufen der Seite lohnt sich allein deswegen, weil man dort auch erfährt, dass es eine "Krötenpartei" in England gibt, die dummerweise ihr einziges kommunalpolitisches Mandat gerade verloren hat...
Aber abgesehen davon zeigen sich die Konservativen in England in sehr guter Verfassung, die Regierungsverantwortung macht ganz klar bislang nur dem Partner zu schaffen. Ob Labour unter diesen Umständen Neuwahlen gewinnen würde, halte ich für fraglich - der klare Sieg im Referendum dürfte Cameron zudem auch nicht geschadet haben.
Mittelfristig droht Labour weiteres Ungemach: Die Ergebnisse in Schottland sind sehr enttäuschend für die Partei. Noch schlimmer könnte sein, dass die Anhänger der schottischen Unabhängigkeit nun eine Mehrheit im Parlament haben. Mal sehen, ob es in dieser Legislaturperiode zu einem Referendum kommt - schon lange Programm der SNP, das sie nun in der Alleinregierung auch durchsetzen könnte. Der Ausgang einer solchen Abstimmung wäre zwar schwer abzuschätzen: Die Wahlbeteiligung dürfte bei einer solch zentralen Fragestellung deutlich höher sein als bei den Regionalwahlen gestern. Aber wenn so ein Referendum eine Mehrheit fände, wäre es tödlich für Labour: Ohne ihre schottischen Sitze können sie für sehr lange Zeit kaum auf eine Mehrheit im UK hoffen.
Zum Zweiten beinhaltet die Gesetzgebung zum Referendum einen Neuzuschnitt der Wahlkreise, und der ist meines Wissens unabhängig vom Erfolg des Referendums. Dieser Neuzuschnitt wird die Größe aller britischen Wahlkreise aneinander angleichen, ebenfalls sehr schlechte Aussichten für Labour, da ihre sicheren Wahlkreise überwiegend kleiner sind als der britische Durchschnitt. Auch das wird die Partei Parlamentssitze kosten.
Der einzige klare Sieger der Wahlen sind Cameron und seine Konservativen.
EDIT: Der klare Sieger unter den Meinungsforschungsinstituten ist ICM, mal wieder. Wirklich das beste britische Institut, geh mir fort mit YouGov. Wie schon bei der Parlamentswahl vor einem Jahr scheinen Telefonumfragen besser zu sein als Online-Panels.

Das Referendums-Resultet kann sich noch marginal verändern (Nachkommastellen), da einige wenige Bezirke noch ausstehen.
http://ukreferendumresults.aboutmyvote.co.uk/en/default.aspx
Ein Aufrufen der Seite lohnt sich allein deswegen, weil man dort auch erfährt, dass es eine "Krötenpartei" in England gibt, die dummerweise ihr einziges kommunalpolitisches Mandat gerade verloren hat...
God save the king!

Aber abgesehen davon zeigen sich die Konservativen in England in sehr guter Verfassung, die Regierungsverantwortung macht ganz klar bislang nur dem Partner zu schaffen.
Das ist richtig. Meiner Meinung nach dürfte es aber nur eine Frage der Zeit sein, bis sich die Wut auch gegen die Konservativen richtet, siehe Deutschland. Dass Labour einen Großteil der mißlichen Lage mit zu verantworten hat, wird schnell vergessen werden. Vielleicht treten nun auch die Greens zunehmend in Konkurrenz zu den Libdems. Es sind ja noch (bis zu) vier Jahre Zeit zum Bashing, da geben die LibDems nicht genug her. Wer hat in Deutschland schon noch Lust auf Westerwelle, Brüderle, Niebel, etc. drauf zu schlagen?
für mich ist auffällig, dass wir dort eine gute prognose abliefert haben, wo es kaum bzw. keine wahlumfragen gab: wales und northern ireland. ein schelm, der dabei sogleich arges wähnt.
unser ergebnis für schottland ist, gelinde ausgedrückt, eine einzige katastrophe, aus der ich auch eine persönliche lehre ziehe: ein einziges mal halte ich gegen meine politische überzeugung die grünen und kriege voll eines auf die fresse. (was mir wiederum auch sagt: die schotten sind viel klüger als die deutschen, von den schwaben und badensern ganz zu schweigen)
ein satz noch zu den meinungsforschern und ihren wahnwitzigen umfragen: wann kloppt man die endlich in die tonne oder schickt sie im nerzmantel eingeschnürt in die wüste? allen voran die banausen von yougov.
Zu Nordirland melden die BBC und die Webseite von Sinn Fein folgendes Ergebnis (nicht ganz einheitlich, Sinn Fein rundet anders) - ich glaube, dass das schon das für den Markt relevante Ergebnis ist, die Sitzverteilung ist ja noch nicht abgeschlossen:
DUP 30
Sinn Fein 26,9
SDLP 14,2
UUP 13,2
Allianz 7,7
Andere 8
http://www.bbc.co.uk/news/special/election2011/constituency/html/northern_irelan d.stm
Zumindest in Nordirland lag ich im Gegensatz zum schottischen Fiasko mal richtig mit der Vermutung, dass Allianz ordentlich zulegen würde. Wenigstens etwas...
Das Endergebnis des Referendums liegt auch vor:
NEIN 67,9
JA 32,1
http://ukreferendumresults.aboutmyvote.co.uk/en/default.aspx
Auf der gleichen Seite kann man auch das Ergebnis der verschiedenen englischen Regionen und des keltischen Rands des UK (Schottland, Wales, Nordirland) abfragen. Wir hatten hier vor nem Monat noch spekuliert, dass es da große Unterschiede geben könnte; im Königreich hatte man gar von einer möglichen Staatskrise gemunkelt, falls England anders abstimme als die anderen Nationen. Ist alles nicht eingetreten, in allen britischen Regionen liegt NEIN bei über 60 Prozent. Nur in Nordirland ist es etwas ausgeglichener, dort entspricht das Ergebnis ungefähr unseren Marktwerten - vielleicht sollten wir die Fragestellung im Nachhinein anpassen ^.^
ein satz noch zu den meinungsforschern und ihren wahnwitzigen umfragen: wann kloppt man die endlich in die tonne oder schickt sie im nerzmantel eingeschnürt in die wüste? allen voran die banausen von yougov.
Es zeigt sich nochmal deutlich, dass unterschiedliche Arten von Umfragen unterschiedlich brauchbare Ergebnisse produzieren und dass es einfach deutlich bessere und vergleichsweise miese Institute gibt. ICM - um die noch mal zu loben - war das erste Institut, was NO deutlich vor YES sah (zunächst 16 Punkte), dann haben die anderen Institute nachgezogen. ICMs letzte Umfrage hat das schlussendliche Ergebnis punktgenau getroffen - die können durchaus stolz sein. Für die USA hat 538 ja eine sehr akribische Tabelle zu einzelnen Instituten erstellt und auch da nen gravierenden Qualitätsunterschied festgestellt: Dieses eine Institut um Anne Selzer, das nur in wenigen Staaten (unter anderem Iowa) Erhebungen durchführt, trifft fast immer den Nagel auf den Kopf, während man Zogby-Daten eigentlich ungesehen in die Tonne kloppen kann.
Laut Belfast Telegraph verläuft die Auszählung in Nordirland ziemlich chaotisch, auch Recounts sind nicht ausgeschlossen. Mit der Auszahlung des Marktes also lieber noch etwas warten.
über einige merkwürdigkeiten bin ich auch schon gestolpert, denn die summe der anderen parteien ergibt bei der bbc nicht 8%, sondern nur knapp über 5 %. zudem haben 4 kleine parteien angeblich nicht eine einzige stimme erhalten.
Dass vier Parteien gar keine Stimme bekommen haben sollen, verwundert wirklich. Andererseits meldet auch der lokale Fernsehsender UTV für die größeren Parteien das gleiche Ergebnis bei vollständiger Auszählung der Erststimmen aller Stimmbezirke:
http://www.u.tv/election2011/results.aspx
Zu den Anderen: Da sind bei UTV 5,4% für "Others" und 2,5% für die protestantischen Fundis der TUV. Macht zusammen dann doch 7,9. Dank Rundungsfehlern kommt man mit diesen Zahlen am Ende in der Summe aller Parteien aber nur auf 99,9%. Grafiken von UTV, zuerst der Stimmenanteil:

Orange: DUP, Grün: Sinn Fein, Rot: SDLP, Blau: UUP, Gelb: Allianz, [Violett: TUV, Grau: Andere]
Gewinne und Verluste:

EDIT: Der Guardian feiert die für Nordirland ungewöhnlich niedrige Wahlbeteiligung, sowas gibts auch nur in Ulster: Sie sei ein Zeichen für eine politische Normalisierung; früher sei jeder zu den Urnen gegangen, weil man dem verhassten gegnerischen Lager keinen Fußbreit Boden gegönnt habe, heute sei man da viel entspannter.
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/may/07/northern-ireland-assembly-el ections-2011
Mir scheint, die Zahlen im letzten Post sind wohl das Beste, was wir kriegen werden. Das regierungsamtliche Ergebnis führt keine Zahlen an, sondern nur die in den einzelnen Wahlkreisen gewählten Kandidaten - zumindest hab ich dort ansonsten nichts gefunden:
http://www.eoni.org.uk/index/elections/elections-2011/ni-assembly-election-2011- results.htm
Eine andere Regierungsseite führt aus, dass Ergebnisse nicht zentral, sondern nur für die einzelnen Wahlkreise erfasst werden:
Elections in Northern Ireland are run on a constituency by constituency basis. This means verified results are not collected centrally. However, results are available from other sources including the BBC [co.uk].
http://www.electoralcommission.org.uk/northern-ireland
Es wird also wohl gar keine amtlichen Zahlen geben für ganz Nordirland. Ich würde daher vorschlagen, das Ergebnis von UTV oder der BBC zur Grundlage der Auswertung zu machen. Wenn man das direkt übernimmt, fehlt zwar insgesamt ein Zehntelprozent, aber damit müsste sich doch leben lassen, oder?
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