ganz leise, in weiter ferne höre ich bereits die aussätzigen, die rothaarigen, die schwulen, die alchimisten, wie sie sich erheben zu minutenlangen standing ovations.
Ich wüßte nicht, welches Problem die Rothaarigen oder die Aussätzigen ausgerechnet mit der katholischen Kirche haben sollten. Zu den Anderen: Es ist wohl kaum Aufgabe des Papstes, sich bei diesen Personengruppen anzubiedern. Das überlassen wir gerne den Protestanten, die versuchen, den Wettlauf gegen den Zeitgeist zu gewinnen. Erfolglos übrigens, die Austrittsziffern aus den protestantischen Kirchen sind um nichts erfreulicher als die aus der katholischen Kirche.
Es ist nicht Aufgabe des Papstes, es allen recht zu machen. Die Kirche ist kein Sympathieverein, kein populistische politische Partei. Die Kirche muß das vertreten, was sie für wahr und richtig hält, nicht das, wofür sie sich den meisten Applaus erwartet.
Die Kirche denkt in anderen Zeitdimensionen. Ein Politiker denkt in Legislaturperioden, ein Familienvater in Generationen. Die Kirche denkt in Jahrhunderten. Und in ein paar hundert Jahren interessieren unsere Problemchen mit Schwulen oder Chemikern keinen Menschen mehr. Die Kirche wird es immer noch geben, während die Institutionen, die heute die Kirche anbrunzen, längst zu Fußnoten der Geschichte verkommen sein werden.
Ich halte daran fest, dass der deutsche Bundestag zur Bühne für eine konservativ-katholusche (lasse den Typo mal stehen) Kritik an den Grundlagen unseres Rechtsstaates gemacht wurde.
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/1561309/
Graf: Na ja, zunächst ist ja überraschend, mit welcher Intensität er sich auf Hans Kelsen bezogen hat, also auf einen der großen Rechtstheoretiker der Weimarer Republik, den sozusagen Vordenker des politischen Liberalismus auch in der Bundesrepublik. Das war ganz klar gegen Hans Kelsen gerichtet. Und man muss über alles das, was der Papst gesagt hat, argumentativ streiten: über die Unterscheidung von wahrem Recht und Scheinrecht, über die Frage, ob man die Aufklärungstraditionen denn so selbstverständlich für die eigene Sicht der Dinge fruchtbar machen kann. Mir hat nicht eingeleuchtet das kulturkritische Element, also zu sagen, seit 50 Jahren sei die Rechtskultur in einem dramatischen Verfall. Er hat von dramatischer Situation gesprochen, von einer dramatischen Wende. Das vermag ich alles so nicht zu sehen.
Novy: Als habe die Vernunft, die positivistische Vernunft, die er kritisiert, nicht auch die Kritik an sich selbst hervorgebracht?
Graf: Ja, natürlich. Es ist die alte Debatte, die man mit Ratzinger führen muss, über sein Verständnis der Aufklärung. Er hat bestimmte Aufklärungspositionen bis heute innerlich nicht akzeptiert. Das kann man ihm nicht vorwerfen, aber das muss man öffentlich sagen dürfen. Und man muss natürlich auch fragen, ob seine Definition von wahrem Recht, das dann an Gerechtigkeit zurückgebunden ist, wirklich in einer pluralistischen Gesellschaft allgemein verbindlich sein kann. Hier vertritt er eher eine katholische Sonderlehre.
Graf: Na ja, zunächst ist ja überraschend, mit welcher Intensität er sich auf Hans Kelsen bezogen hat, also auf einen der großen Rechtstheoretiker der Weimarer Republik
Kelsen ein Theoretiker der Weimarer Republik???
Kelsen hat sicher bis ins Reich hinübergestrahlt, grundsätzlich wirkte er aber in Wien, unter anderem als Autor der "Kelsen-Verfassung" der 1. Republik und als Verfassungsrichter.
Nur von 1930 bis 1933 war er in Köln tätig.
Aber auch wenn Kelsen nach 1945 in Wien mit Ehrungen überhäuft und seine mitunter nicht unumstrittenen Rechtsansichten über die Grenzen Österreichs hinaus oftmals zum unantastbar anmutenden Grundverständnis unserer mitteleuropäischen Kultur hochstigmatisiert wurden, so vermag man ihn selbst doch schwer als uneingeschränkt als Österreich-affin von der ersten Stunde weg anerkennen.
So schrieb der Autor der österreichischen Verfassung doch in der angesprochenen Zeit der ersten Republik im Jahr 1926: “Weder historische noch nationale, noch religiöse, noch kulturelle Gründe sind es, die das heutige Österreich rechtfertigen können, das nichts als ein willkürlicher Fetzen Landes ist, übriggeblieben, nachdem die Sieger ihre territorialen Bedürfnisse ... befriedigt haben.”
Kelsen ein Theoretiker der Weimarer Republik???
Kelsen hat sicher bis ins Reich hinübergestrahlt, grundsätzlich wirkte er aber in Wien, unter anderem als Autor der "Kelsen-Verfassung" der 1. Republik und als Verfassungsrichter.
Nur von 1930 bis 1933 war er in Köln tätig.
Aber auch wenn Kelsen nach 1945 in Wien mit Ehrungen überhäuft und seine mitunter nicht unumstrittenen Rechtsansichten über die Grenzen Österreichs hinaus oftmals zum unantastbar anmutenden Grundverständnis unserer mitteleuropäischen Kultur hochstigmatisiert wurden, so vermag man ihn selbst doch schwer als uneingeschränkt als Österreich-affin von der ersten Stunde weg anerkennen.
So schrieb der Autor der österreichischen Verfassung doch in der angesprochenen Zeit der ersten Republik im Jahr 1926: “Weder historische noch nationale, noch religiöse, noch kulturelle Gründe sind es, die das heutige Österreich rechtfertigen können, das nichts als ein willkürlicher Fetzen Landes ist, übriggeblieben, nachdem die Sieger ihre territorialen Bedürfnisse ... befriedigt haben.”
Für mich spricht daraus mehr der Frust über die tatsächlich höchst zweifelhaften Verträge von Saint Germain als ein Problem mit Österreich. Aber es ist schon klar: Für jemanden, der in der Monarchie, einem großen Vielvölkerstaat, aufgewachsen und geprägt worden ist, war es wenige Jahre nach der Filetierung nicht einfach, in der alles andere als prächtig funktionierenden Republik Österreich das Österreich seiner Jugend wiederzuerkennen.
ich finde es immer wieder erstaunlich, mir welcher leichtigkeit die vergangenheit ausgeblendet wird, wenn religiöse dinge ins spiel kommen. wie gleichzeitig die hirne auf durchzug schalten und ihre funktionen einstellen. im namen der dreifaltigkeit ist moralisch getrachtet offenbar jede untat, jedes verbrechen legitim und wird verziehen.
obwohl, dies phänomen der verdrängung ist nicht neu. es erinnert fatal an die rechtfertigungsversuche unserer großelterngeneration, die ihr tausendjähriges mitlaufen und schweigen in die ebenso hirnbefreiten worte fassten: "unter hitler war nicht alles schlecht. nur das mit den jüden hätte nicht sein müssen" (und für diejenigen unter uns, die neben den kirchlichen auch bereits die weltlichen progrome verdrängt haben, die neudeutsche variante: "unter hitler war nicht alles schlecht - immerhin hat er die ersten rauchverbote erlassen. nur das mit den autobahnen hätte nicht sein müssen.")
***
neben der vergangenheit findet bezeichnenderweise auch die gegenwart nicht statt. man empört sich moralisch über einen weltlichen politiker, der eine affäre mit einer sechszehnjährigen beginnt, aber schweigt über den massiven sexuellen missbrauch innerhalb der kirche. die hälfte der menschheit ist angesichts der weit verbreiteten pädophilie innerhalb der institution inzwischen fest davon überzeugt, dass jesus nicht ans kreuz, sondern am kreuz genagelt wurde. der gewöhnliche katholik schließt darüber einfach die augen und das problem ist für ihn wie weggewischt - auch darauf hatten übrigens unsere großeltern eine passende antwort: "wenn das der führer wüsste!" und so haben sie ihn reingewaschen von jeder schuld und jedem wissen, und wenn ihre nachbarn abgeholt und ins kz verladen wurden, haben sie sich einfach weggeduckt.
***
man ist geneigt, schier verzweifelt auszurufen: herr, wirf hirn vom himmel!
nicht speziell zu diesem beitrag sondern allgemein:
wer sagt dir dass das gehirn auch aufgefangen würde?
man ist geneigt, schier verzweifelt auszurufen: herr, wirf hirn vom himmel!
der gewöhnliche katholik schließt darüber einfach die augen und das problem ist für ihn wie weggewischt
Das ist durchaus nicht der Fall. Die katholische Kirche ist eine der wenigen Institutionen, die freiwillig Opfer entschädigt. In Österreich haben wir die Klasnic-Kommission, an die sich Opfer wenden können, selbst wenn strafrechtlich längst alles verjährt ist. Alle halbwegs glaubhaften Fälle werden großzügig aufgearbeitet.
An wen kann man sich wenden, wenn man vor 30 Jahren in einem staatlichen Kinderheim mißbraucht worden ist? Bestenfalls ans Salzamt. Und statistisch ist es wesentlich wahrscheinlicher, von staatlichen als von geistlichen Pädagogen mißbraucht zu werden. Daß die Empörung bei Geistlichen größer ist, liegt eher an den höheren Ansprüchen, die man an diese stellt, als an der höheren Gefährdung.
http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-18209956
The "Vatileaks" scandal, as it is known, has enraged the Holy See. The leaks have revealed alleged corruption, mismanagement and internal conflicts.
nein - außerdem würden ihn ohnehin Europas beste Anwälte beraten.
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/libertycentral/2010/apr/02/pope-legal-im munity-international-law
Hier das Argument für einen Prozess gegen Benedikt XVI.
Well may the pope defy "the petty gossip of dominant opinion". But the Holy See can no longer ignore international law, which now counts the widespread or systematic sexual abuse of children as a crime against humanity.
Wahlfieber, originally a platform from the German-speaking world, offers (user-based) forecasts on elections worldwide - using political prediction markets without applying any algorythm.
Germany / Austria / Switzerland
All national and state elections as well as selected local, mayoral and party elections
Europe
Almost all national elections as well as selected presidential, regional and local elections and votes.
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